Hanna. Kriegsjahre einer Krankenschwester

Autorin: Sandra Jungen
Rhein-Mosel-Verlag

Worum’s geht:

Was der Titel verspricht, hält er auch. Erzählt wird aus dem Leben von Hanna, die in den Jahren 1942 bis 1945 als Krankenschwester dient. Es verschlägt sie nach Stalino an die russische Front, ins bombengeplagte München und immer wieder in ihren Heimatort in der Eifel. Dabei begegnet sie großem Leid, aber auch der Liebe.

Rezension:

Aufmerksam wurde ich auf den Roman, weil die die beiden Romane „Heidelbeerkind“ und „Heidelbeerfrau“ von Marion Bischoff oft mit dem Roman „Hanna. Kriegsjahre einer Krankenschwester“ in Verbindung gebracht werden. Alle drei Romane stammen aus dem Rhein-Mosel-Verlag und es gibt tatsächlich viele Parallelen. Natürlich die Zeit – alle drei Romane spielen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, beide Protagonistinnen lebten in der Eifel, beide sind Mädchen aus dem Volk. Sie spielen zusammen wie Teilchen eines großen Puzzles, das irgendwann ein Gesamtbild über diese schreckliche Zeit gibt, wenn noch weitere Autor*innen, sich in dieser Qualität ihren Zeitzeugen widmen und deren Erlebnisse in Romanen verarbeiten.

Sandra Jungen hat in ihrem gründlich recherchierten Roman die Lebensgeschichte ihrer Großmutter erzählt, die tatsächlich den Zweiten Weltkrieg als Krankenschwester miterlebt hat. Es ist die Geschichte ihrer Großeltern, die nach dem Krieg geheiratet und sechs Kindern das Leben geschenkt haben und die Autorin hätte wunderbar eine Liebesgeschichte in Zeiten des Krieges draus machen können. Schnulzig, schmalzig und eine herbe Romantik durch die Kriegsszenerie. Das hat Sandra Jungen aber nicht getan. Im Gegenteil. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die hin- und hergerissen ist zwischen Richtig und Falsch, die ihren gesunden Hausverstand nicht verliert, auch wenn die Propaganda versucht, ihr Gehirn aufzuweichen, die ihren Weg geht, auch wenn sie weiß, dass sie unter Beobachtung steht, die ihr Bestes gibt, über ihre Grenzen geht und für andere da ist. Und trotzdem bleibt sie ein Mensch, der Gefühle, Sehnsüchte und Träume hat.

Etwas konstruiert sind für mich all die Begegnungen mit den Helden dieser Zeit. Mit dem Grafen von Stauffenberg soll die Großmutter der Autorin tatsächlich zusammengetroffen sein, die Beschreibung dieser Begegnung, ebenso wie die mit Hans Scholl, welche nie stattgefunden hat, ist meiner Meinung nach für die Geschichte überflüssig – stört aber auch nicht. Stationen wie die Heil- und Pflegestation Eglfing-Haar, wo im Zuge des Euthanasieprogramms viele Leben vernichtet wurden oder die Brutstätte für eine arische Rasse im Lebensbornheim in München liegen auf ihrem Weg und ein bisschen wirkt es so, als wolle die Autorin drauf zeigen und sagen: Das gab es auch noch.

Fazit

„Hanna – Kriegsjahre einer Krankenschwester“ ist ein Buch, das ein Stück Zeitgeschichte aufarbeitet – wieder aus einer für mich neuen Perspektive. Dass die Autorin einen persönlichen Bezug zu dieser Geschichte hat, schwingt in jedem Satz mit. Es ist eine ehrliche Geschichte, eine authentische und eine Geschichte, die die Schrecken des Krieges wieder auferstehen lässt, die für den, der mittendrin ist, zur Normalität werden. Lasst uns daran arbeiten, dass diese Zeit nie wieder kommt. Sandra Jungens Geschichte hat das mit dieser Geschichte getan. Danke!

Buchinformationen:

  • Taschenbuch: 348 Seiten
  • Verlag: Rhein-Mosel-Vlg; Auflage: 3. (6. Februar 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783898011006
  • ISBN-13: 978-3898011006

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