Signor Rinaldi kratzt die Kurve

Autor: Lorenzo Licalzi
Übersetzung: Luis Ruby
Verlag: Eisele

Worum geht’s (Klappentext)

Ein Achtzigjähriger. Sein Enkel. Ein Hund. Und ihre Reise zurück ins Leben.

Pietro Rinaldi ist achtzig Jahre alt und hat lange genug gelebt, findet er, während er Penne all’arrabbiata isst und darüber nachsinnt, wie viel mehr Trost doch in Büchern liegt als in den Menschen. Da platzt sein 15-jähriger Enkel in seine Welt und wagt es, der chronischen Übellaunigkeit seines Großvaters Paroli zu bieten. Gemeinsam mit Sid, einer furchterregenden Kreuzung aus Bernhardiner und Neufundländer, machen sie sich auf zu einem Abenteuer „on the road“ voller Umwege und Abschweifungen, Begegnungen mit alten Lieben und neuen Bekanntschaften. Denn gerade dann, wenn du glaubst, alles gesehen zu haben, gelingt es dem Leben, dich noch einmal richtig zu überraschen.

Rezension

Ich sage es gleich vorweg: Bücher dieser Art lösen bei mir eigentlich normalerweise Bauchweh aus – in diesem Fall doppelt. Einmal, weil das Thema Selbstmord ein sehr heikles ist und dann, weil der Protagonist des Romans als Schriftsteller erzählt – über das Bücherschreiben, andere Autoren, das Autorendasein usw. spricht. Das kommt bei mir meistens als überheblich und besserwisserisch an. Doch Lorenzo Licalzi schafft die Gratwanderung in beiden Fällen. Er lässt seinen Protagonisten als hoffnungslosen Zyniker auftreten, als Menschenfeind, der den Selbstmord pragmatisch sieht. 80 Jahre hat er gelebt, jetzt warten nur noch Siechtum und Leiden auf ihn. Warum also nicht selbst dem Ganzen selbstbestimmt ein Ende setzen. Betont nicht melodramatisch plant und zelebriert er seinen Abgang, der dann aber durch ein unvorhergesehenes Ereignis zuerst aufgeschoben, schlussendlich aber aufgehoben wird. In einer Roadstory wird die Geschichte einer Annäherung zwischen Alt und Jung, zwischen Lebensmüde und Lebenshungrig, zwischen Pietro und Diego erzählt, in welcher der Alte wieder zu sich findet und erkennt, dass er eben noch nicht alle Stationen des Lebens kennt. Das worauf er ursprünglich keine Lust hat – nämlich sich mit seinem Enkel abzugeben – bewirkt eine buchstäbliche Wiedergeburt. Gleichzeitig findet der Schriftsteller sogar zu einem neuen Zugang zu seinen Lesern und erkennt, dass doch nicht alle so blöd sind, wie er sie sich ausgemalt hat. Indem der Protagonist Rinaldi bei der Beschreibung von Speisen, Landschaften, Menschen an den Grenzen der sprachlichen Möglichkeiten scheitert, schafft es der Autor Licalzi, den Hochmut seines Protagonisten zu relativieren.

Das Buch reißt mit, lässt schmunzeln, auch manchmal das Auge feucht werden. Einzig der Nachtrag von Pietros Enkel Diego, der sieben Jahre nach der gemeinsamen Reise im Nachlass seines Großvaters auf das Buch stößt, lässt die Geschichte am Ende des Buches leider etwas abfallen. Auch deshalb, weil der einfühlsame Leser Diegos Gedanken in Pietros Geschichte sehr gut nachvollziehen kann. Interessant ist auch, dass in ebendiesem Nachtrag Diego über den Titel für den Roman nachdenkt und sich gegen den italienischen Originaltitel „L’ultima settimana di settembre“ – „Die letzte Woche im September“ entscheidet. Da wäre ich doch neugierig zu erfahren, wie viel der Übersetzer Luis Ruby sonst gestaltend in den Text eingegriffen hat …

Fazit:

Das Buch reißt mit, lässt schmunzeln, auch manchmal das Auge feucht werden. Ein gutes Buch über den Sinn des Lebens.

Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
  • Verlag: Eisele Verlag; Auflage: 1. (22. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3961610010
  • ISBN-13: 978-3961610013
  • Originaltitel: L’ultima settimana di settembre

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