Der Spielmann

Autor: Oliver Pötzsch
Verlag: List Hardcover

Worum geht’s (Klappentext)

Das älteste Spiel der Welt ist das Spiel um deine Seele …

1486: Knittlingen ist ein ruhiger Ort im Kraichgau. Bis zu dem Tag, als die Gaukler in die Stadt kommen – und plötzlich Kinder verschwinden. Johann Georg, genannt „Faustus“, der Glückliche, kümmert das nicht. Ihn interessiert nur der Spielmann und Magier Tonio del Moravia: Von dem blassen Mann mit den stechend schwarzen Augen, der Johann eine große Zukunft als Gelehrter voraussagt, geht eine seltsame Faszination aus. Johann schließt sich ihm an, gemeinsam ziehen sie durch die deutschen Lande. Der junge Mann saugt alles auf, was Tonio ihm beibringt. Doch von Tonios Lehren geht eine ungeahnte Gefahr aus, und schon bald beschleicht Johann das Gefühl, dass sein Meister mit dunklen Mächten im Bunde steht. Mächte, die Johanns ganzes weiteres Leben bestimmen werden …

Rezension

Mir geht’s wie dem Autor: Faust hat mich immer fasziniert. Nicht wegen irgendwelcher Filme, die ich gesehen habe, sondern einzig und allein deshalb, weil dieser Kampf des Guten gegen das Böse einmal ausnahmsweise nicht in Form von Superhelden, die New York zerstören passiert, sondern in einem Menschen ausgetragen wird. Trotzdem war ich hin- und hergerissen, als ich das Buch in die Hand nahm. Faust – wirklich jetzt? Reclamheftchen blitzten vor mir auf, Textanalysen, Aufsätze über Goethe und – ganz egal wie man mir weiszumachen versuchte, dass es früher alte Zeiten waren – dieser alte Schweinehund, der sich an einem vierzehnjährigen Mädchen vergreift. Igitt! Nach wenigen Seiten war mir klar, dass ich weit daneben lag. Oliver Pötzsch hat das gemacht, was Goethe getan hat: Eine vorhandene Legende zu einem Meisterwerk verarbeitet. Die Geschichte eines wissbegierigen Jungen, dessen Neugierde einfach nicht zu stillen ist und der in die Fänge dunkler Mächte gerät, ist genial erzählt, bleibt rund 800 Seiten lang spannend und verursacht an manchen Stellen ein echtes Gruseln. Jedes Mal, wenn mir ein Zitat aus Goethes Faust unterkam, begrüßte ich es mit einem Schmunzeln und ich war gespannt, wie Oliver Pötzsch wohl die eklige Sache mit dem Gretchen lösen würde. Ich will es nicht verraten – auf jeden Fall hat mich Pötzschs Version wieder ausgesöhnt mit dem Faust und ich finde Pötzschs Wendung einfach nur schön. Was ich bei Oliver Pötzsch auch immer wieder nett finde, sind die Anhänge am Ende des Buchs. Wander- oder Radwege über die man die alten Orte erkunden kann, Museumstipps und die kleine Werbung für den Metzger, der die beste Verpflegung für Autoren auf Recherchereise bietet. Sogar die Gewerkschaft der Lokomotivführer wird liebevoll mit einem augenzwinkernden Kompliment bedacht. Jede*r, der in irgendeiner Weise zu der Entstehung des Buches beigetragen hat, bekommt sein Dankeschön und für den Leser wird klar, dass ein Buch bei weitem nicht die Arbeit eines Einzelnen ist. Vielen Dank Oliver Pötzsch und allen denen, die ihn in der Ausübung seiner Arbeit unterstützen für dieses wunderschöne Buch, das ich ganz gewiss nicht zum letzten Mal in der Hand gehabt haben werde!

Fazit:

Ein Meisterwerk, das man unbedingt gelesen haben sollte – egal ob man den Faust damals geliebt oder gehasst hat, denn Pötzsch stellt uns den ewig Suchenden neu vor, weckt unser Verständnis für ihn und gibt der Geschichte eine neue Wendung. Einfach nur meisterhaft.

Produktinformationen:

  • Gebundene Ausgabe: 784 Seiten
  • Verlag: List Hardcover; Auflage: 1. (21. September 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783471351598
  • ISBN-13: 978-3471351598

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