Hildegard von Bingen

Autorin: Maria Regina Kaiser
Verlag: Herder
Seitenanzahl der Printausgabe: 255

Worum geht’s

In einer Zeit, in der Frauen nicht viel zu sagen hatten, erkämpft (oder sollte man sagen ertrotzt) sich eine Frau Bedeutung und auch ein bisschen Macht. Obwohl seit ihrer Kindheit kränklich, schafft es Hildegard nicht nur, Äbtissin zu werden, sondern ihr eigenes Kloster zu gründen. Männer und Frauen suchen bei ihr Heilung und Rat – bis hinauf zum König.

Rezension

Als ich mich bei der Leserunde auf Lovelybooks bewarb, war ich – wohl aufgrund des Covers – zuerst der Meinung, dass es sich hier um ein Sachbuch über das Leben und Wirken von Hildegard von Bingen handelte. Von dieser Frau war mir hauptsächlich die Ernährungslehre bekannt, auf die viele Menschen in meiner Bekanntschaft schwören und ich war neugierig drauf, einmal mehr davon zu erfahren. Dieser Erwartung wurde das Buch überhaupt nicht gerecht, denn „Hildegard von Bingen – Die mächtigste Nonne des Mittelalters“ ist kein Sachbuch. Es handelt sich dabei um eine Romanbiographie der Nonne.

Mit einigen wenigen Ausnahmen, das bestätigt die Autorin, hat sie sich in ihrem Roman auch an die Fakten gehalten. Sie erzählt das Leben von Hildegard nach, startet nach einem Vorspiel aus ihren letzten Tagen in ihrer frühesten Kindheit und erzählt den langen Weg der Nonne nach.

Obwohl Hildegard von Bingen einen für die damalige Zeit großen Schatz an Dokumenten hinterlassen hat, bieten die Quellen wohl Gelegenheiten genug für eine Autorin, um der Fantasie freien Lauf zu lassen. Das hat Maria Regina Kaiser auch getan, allerdings ohne die historischen Fakten zu verbiegen. Zwischen den Zeilen finden sich leise Andeutungen, vage Interpretationen ihrer Beweggründe – so fein, dass man auch darüber lesen könnte.

Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass Maria Regina Kaiser sehr gut recherchiert hat und spürte ihren großen Respekt der Frau gegenüber, die sie sich als Protagonistin für ihren Roman auserkoren hatte. Ich selbst habe sehr viel Neues erfahren und bin froh, mir ein rundes Bild dieser mächtigsten Frau des Mittelalters erlesen zu haben.

Maria Reginas Schreibstil wird der Geschichte gerecht, sie stellt die Sprache in den Dienst der Geschichte und bleibt einfach, ohne naiv zu wirken. Hildegard von Bingen warnte immer vor Hochmut, diese Warnung hat sich wohl auch die Autorin zu Herzen genommen und obwohl ich das Gefühl hatte, dass sie sehr wohl mit Worten umzugehen weiß, versucht sie, ihre Sprache einfach zu halten. Die Erzähltexte sind mit Originalzitaten aus dem Nachlass von Hildegard von Bingen gespickt, ohne dass es für den Leser zu anstrengend wird. Auch das gibt dem Buch eine eigene Note.

Interessant ist auch die Aufmachung des Buchs. Es ist in ein Vorspiel und drei Bücher unterteilt, denen ein Anhang mit den Grundlagen der Romanbiographie folgt. Alle Teile werden durch grüne Seiten voneinander getrennt – passend zur Grünkraft, die Hildegard überall sah und spürte. Die Romanseiten selbst werden durch Bilder der Pflanzen, die in Hildegards Leben eine Rolle spielte (mit medizinischen Ausführungen) und durch Stiche von Hildegard aufgelockert. Auch das macht das Buch zu etwas Besonderem.

Fazit

Der Leser darf sich auf eine Romanbiographie der mächtigsten Nonne des Mittelalters freuen, die ihn an vielen Stellen überraschen und immer fesseln wird. Ein sehr gelungenes Buch – vom Cover bis zum Inhalt. Empfehlenswert für alle, die sich mit der Figur dieser interessanten Persönlichkeit auseinandersetzen wollen.

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