Ein Vulkan, zwei Kinder und jede Menge Ärger

Die Idee, die diesem Roman zugrunde liegt, finde ich recht witzig. Was wäre, wenn einer Ehefrau und Mutter der Kragen platzen und sie aus der Drohung zu gehen, eine Wahrheit machen würde? Das verspricht einen kurzweiligen, unterhaltsamen Roman und den glaubte ich nach den ersten paar Seiten auch gefunden zu haben. Auch wenn mich die doch sehr hartherzige Entscheidung von Karla gleich zu Beginn irritierte, dachte ich mir: „Na ja, wird schon Ralf der Prota sein und die Ehefrau die Böse.“ Damit kann ich leben.

Doch Noch-Ehemann Ralf stellt sich gar zu blöd an. Er kann nicht nur nicht kochen, sondern hat auch keine Ahnung von Einkauf, dem Gebrauch einer Waschmaschine oder eines Fieberthermometers. Schmunzelte ich anfangs noch über sein Ungeschick und fühlte mich an Männer in der Bekannt- und Verwandtschaft erinnert, fragte ich mich irgendwann doch, ob es wirklich Menschen gibt, die sich so dumm anstellen. Er schafft es nicht mal im Supermarkt Wurst und Käse zu finden bzw. dann die richtige Menge zu bestellen!

Erst ungefähr nach zwei Fünfteln des Buches befindet sich Ralf endlich in London und der Eyjafjallajökull kann ausbrechen, eine Rückkehr unmöglich machen und die Geschichte in Gang bringen. Es wird dann auch wieder recht interessant. Ralf versucht alles Erdenkliche, um aufs Festland zu kommen, die Kinder bringen sich unterdessen in Teufels Küche.

Die Autorin bringt viele originelle Ideen ins Spiel, erzählt recht kurzweilig und packend und findet auch die richtige Länge. Als dann alle wieder glücklich vereint sind, schaue ich kurz mal auf das Display und stelle mit Schrecken fest, dass ich erst bei etwa 70% des Buchs angelangt bin. Nochmal ein Drittel lang für den Schluss?

Durch die vielen Wiederholungen zieht die Autorin ihren Text unnötig in die Länge. Details, die für die Geschichte nicht relevant sind, werden ausführlich beschrieben, die Ungeschicklichkeit des Vaters, die Sturheit der Mutter toterzählt, bis man nicht mehr hören kann, was die Beweggründe für ihre Handlungen waren.

So liest sich die Geschichte, die im Grunde unterhaltsam und witzig sein könnte, teilweise recht zäh. Weniger wäre hier einfach mehr.

Das Verhalten und die Reaktionen der Figuren werden überspitzt dargestellt und daher häufig einfach unglaubwürdig. Ständig wird der Leser mit den Stimmungsschwankungen der Charaktere konfrontiert, die aus dem Nichts kommen.

Der Schluss wirkt wie aus einem Märchen. Ein Idyll wird heraufbeschworen, alle sind geläutert, ihre Persönlichkeiten verändert … und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.

Birgit Loos schafft es, locker und leicht zu erzählen und würzt ihren Text auch mit witzigen Wendungen. Dass es eher langatmig rüberkommt, liegt an den vielen Wiederholungen – vor allem an der Wiederholung der Argumente für die Entscheidungen der Charaktere.

Entwicklungspotential gibt es sicher bei den Dialogen. Immer wieder haben Figuren lange Monologe – auch in Momenten höchster Erregung lassen Gesprächspartner sich gegenseitig ausreden. Birgit Loos nutzt die Dialoge auch kaum, um den Charakteren Tiefe und Farbe zu geben. Die Kinder sprechen wie Erwachsene, die Sprechweise des Chefs unterscheidet sich kaum von Ralfs Art zu sprechen. So verschenkt sie ein wichtiges Stilmittel zur Figurenkennzeichnung.

Fazit

„Ein Vulkan, zwei Kinder und jede Menge Ärger“ ist ein Buch, das die mit ihrem Leben unzufriedene Hausfrau und Mutter mit nachdrücklichem Kopfnicken auswählen wird, weil die Autorin ihr mit dem Thema aus der Seele spricht. Wenn vielleicht in einer zukünftigen Überarbeitung das Ganze etwas gestrafft und auf den Punkt gebracht würde, könnte ein wirklich unterhaltsamer Roman draus werden.

Produktinformation

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 710 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 236 Seiten
  • Verlag: Brighton Verlag; Auflage: 1 (5. Dezember 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B0190S4W0G

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