Verlieben verboten

Lucinda Lynette, Besitzerin einer Boutique und selbst leidenschaftliche Näherin, kommt zum Geburtstag ihrer Großeltern auf deren Gut und wird dort zur Zielscheibe des geballten Hasses und der Verachtung ihrer Mutter und ihrer Stiefschwestern. Die Geschichte ist eine moderne Umsetzung des Märchens „Aschenputtel“.
Ich war von dem Cover total bezaubert und habe mich auf eine leichte lockere Liebesgeschichte gefreut – das Richtige für die Hitzewelle, unter der wir gerade leiden. Das Buch hat mich auch den Hin- und Rückflug zu meinem Urlaubsort unterhalten, es liest sich leicht, überfordert niemanden bei der Lektüre und nimmt die Leserin mit in eine Märchenwelt.
Die Autorin schreibt sehr blumig, liebt Adjektive und eindeutig auch Klamotten und manchmal liest sich die Geschichte wie eine Beschreibung der Outfits bei einer Promigala. Jedes Kapitel beginnt mit der Abhandlung, warum gewisse Kleidungsstücke unbedingt wichtig sind.  Auf dem Handy waren diese schnörkelig geschriebenen Intros kaum zu entziffern und ich muss eingestehen, dass ich nach der dritten Beschreibung eines Kleidungsstücks einfach darüber hinweggelesen habe. Nicht mein Interessensgebiet und wie gesagt, zu schwer zu entziffern.
Vielleicht weil mir sofort nach den ersten Seiten klar war, dass sich in der Geschichte „Aschenputtel“ versteckt, war ich weder von der Handlung noch vom Ende sonderlich überrascht. Die bösen Schwestern, die Lucinda triezen, die Mutter die fleißig mitmacht, das Versprechen, dass der Prinz auf Brautschau ist usw. sind 1:1 aus dem Märchen übernommen. Das Aschenputtel wehrt sich gegen die ganzen Übergriffe natürlich nicht. Dass sie ihre Großeltern nicht verletzen möchte, funktioniert für mich nicht als Grund. Die tauchen erst am Ende auf und zumindest verbal könnte sie sich ja gegen ihre Schwestern zur Wehr setzen, die schon ziemlich dick auftragen und ständig weit unter der Gürtellinie attackieren. Warum die Mutter, die doch Lucindas leibliche Mutter und nur die Stiefmutter der beiden Schwestern ist, sich gegen Lucinda stellt, habe ich bis zum Ende des Buches nicht verstanden.
Lucinda hätte ich manchmal ohrfeigen können. Sie nimmt nicht nur alle Gemeinheiten der Schwestern widerspruchslos hin, sondern hält auch noch ständig ihre andere Wange (und andere verletzliche Körperteile) hin. Als ihre Schwestern die passenden Fäden zu Kleidern verstecken, die Lucinda für sie nähen soll, fährt sie beispielsweise los, um diese Fäden zu besorgen – man kann doch unmöglich diesen Stoff mit dem falschen Faden vernähen, auch wenn die zukünftige Besitzerin sich das absolut verdient hätte.
Auch ihrem Traumprinz gegenüber verhält sie sich so. Viel zu schnell ist sie bereit, ihm alles zu verzeihen, wirft sich ihm um den Hals und beweist damit, dass sie auch am Ende des Buches ihren eigenen Wert nicht verstanden hat und glaubt, sie müsse dankbar für ein bisschen Liebe sein. Das Frauenbild, das hier vermittelt wird, ist schon sehr fragwürdig.

Fazit

Am Strand, wenn das Denken lahmgelegt ist und die Hitze jede Kopfanstrengung unmöglich macht, ist es aber sicher genau das Richtige. Daher drei Sterne.

Produktionformationen

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 4856 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 94 Seiten
  • Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS (26. Juli 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B07F9Z2WLL

Link zu Amazon

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.